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Corinna Ogonowski
Universität Siegen : Corinna Ogonowski

Corinna Ogonowski

Universität Siegen

11 Fragen      11 Antworten      51 Upvotes
Abgeschlossen

Seit 2009 bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Siegen im Bereich Wirtschaftsinformatik. Bei unserer Forschung und Entwicklung von IT-Technologie steht der Mensch und sein soziales Umfeld im Mittelpunkt. Das ist besonders wichtig, denn nicht die Technik soll uns Menschen steuern, sondern sie soll uns bei unseren Aufgaben im Alltag und im Beruf unterstützen. Besonders wichtig ist dies für das Thema Smart Home und wie man die Unterstützung von Smart Home im Alltag erlebt. Im Projekt SmartLive (smart-live.info) arbeiten wir eng mit Haushalten in Siegen und Oldenburg, testen am Markt erhältliche Smart Home Systeme und entwickeln neue Ansätze, wie man sein passendes Smart Home System findet, man keine Angst mehr vor der Installation und Einrichtung haben muss und wie man durch verschiedene Arten der Visualisierung von Smart Home Daten mehr über sein Verhalten und sein Zuhause lernen kann. Du willst mehr darüber erfahren, dann frag mich alles!

Antworten

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5 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – Nairolf, 9. März 2017, 19:11:

Wie werden die erhobenen Daten geschützte, dass sie nicht von Nutzern außerhalb des Hauses missbraucht werden - z.B. das Rollo hoch und runter geht oder die Tür nicht mehr aufgeht?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 20. März 2017, 11:06:

Ganz sicher und geschützt ist man vor Hacker Angriffen natürlich nie, wenn es um digitale Daten und Dienste geht. Deshalb sollte man Systeme und Konfigurationen immer kritisch hinterfragen. Wenn man eine fertige Systemlösung (kabelgebunden oder Funk), zum Beispiel Qivicon oder devolo HomeControl erwirbt, bieten die Anbieter verschiedene Optionen an. Beispielsweise kann man den Zugriff über eine Cloud, in der alle Daten und Konfigurationen gespeichert sind, verbieten. Das hat allerdings zur Folge, dass man auch nicht mehr selbst von unterwegs auf sein Zuhause zugreifen kann, sondern nur, wenn man sich im gleichen Netzwerk wie das System befindet. Wie gesagt, ein 100% Schutz besteht leider nicht, aber man kann sich schützen, indem man Systeme und einzelne Komponenten sehr bewusst auswählt und abwägt, welche Funktionen wirklich wichtig und welche unwichtig sind und diese entsprechend deaktiviert.

4 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – Marx, 15. März 2017, 22:58:

wird Smart-home eine für alle erschwingliche Technologie sein oder wird sie ein Luxus der Oberklasse?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 20. März 2017, 12:07:

Derzeit sind vor allem kabelgebundene Lösungen, sogenannte Unterputzlösungen, die in den Wänden von Wohnung und Gebäuden verlegt sind, immer noch recht preisintensiv. In den letzten 3 Jahren werden allerdings vermehrt Kunden angesprochen, die nicht unbedingt Eigentum besitzen und in Mietswohnungen wohnen. Mit funkbasierten Lösungen, die einfach nachgerüstet und bei Auszug auch mitgenommen werden können, werden auch sie adressiert. Je mehr die Technologie von den Nutzern akzeptiert wird, desto günstiger werden Komponenten und Systeme in Zukunft zu erwerben sein. Ein paar Jahre wird es allerdings noch dauern, bis sich wirklich jeder solche Systeme leisten kann.

4 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – Artur, 14. März 2017, 16:21:

Können Smart Homes Menschen mit Behinderung oder älteren Menschen dabei helfen selbständig zu wohnen?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 20. März 2017, 12:09:

Besonders für Ältere oder Menschen mit Einschränkungen können Smart Home Systeme eine Unterstützung im Alltag bieten und so die Autonomie, die Selbstständigkeit und individuelle Freiheit, steigern. Es gibt bereits Anbieter (z. B. casenio), die speziell für ältere Menschen eine Smart Home Lösung anbieten. Sie gibt beispielsweise Erinnerungen, wenn die Medikamente eingenommen werden müssen oder schaltet beispielsweise automatisch den Herd um 22 Uhr abends aus, um größere Haushaltsunfälle zu vermeiden. Das System kontrolliert dabei unauffällig im Hintergrund und Angehörige können direkt Informationen erhalten, ob etwas Ungeplantes geschehen ist. Der Bewohner oder die Bewohnerin selbst sollen sich dabei möglichst wenig eingeschränkt und beobachtet fühlen.

3 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – Nils, 15. März 2017, 22:36:

Die zunehmende Verbreitung von Smart-Home bedeutet auch, dass man immer mehr neue und an das Internet angeschlossene Geräte besitzt. Auch wenn diese Geräte zahlreiche Vorteile im Alltag bieten, so sammeln sie Daten die meist außerhalb der EU gespeichert werden. Das diese Daten nicht ausschließlich für den eigentlichen Zweck verwendet werden nehmen viele in Kauf (z.B. für Werbung, Geheimdienste usw.). Außerdem ensteht eine Abhängigkeit von der Infrastruktur des Herstellers (Was ist, wenn diese in 10 Jahren nicht mehr betrieben wird?).

Wie kann ein zufriedenstellender Datenschutz und Privatsphäre in den eigenen vier Wänden sichergestellt werden, und wie kann ich mir sicher sein, dass ich meine smarten Geräte auch in 5 oder 10 Jahren noch verwenden kann?

1 Person findet das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 20. März 2017, 12:12:

Begeben wir uns nicht mit jeglicher Art von Technik in eine gewisse Abhängigkeit von Anbietern, Systemen und Standards? Um Smart Home längerfristig nutzen und um es vielleicht um weitere Komponenten und Funktionen erweitern zu können, ist es immer von Vorteil, wenn man auf weit verbreitete Standards setzt, die von einer Vielzahl von namenhaften Herstellern genutzt werden. Diese treiben die Entwicklung und Verbreitung voran. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das System auch noch in ein paar Jahren mit Updates versorgt wird. Die Finger würde ich von Insellösungen lassen, wenn sie die Entwicklung eines einzigen Herstellers sind. Beim Datenschutz gilt das gleiche. Schau dir die Anbieter genau an und prüfe, wo sie ihre Daten speichern. Bei Anbietern in Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass auch die Daten auf deutschen Servern liegen. Das Vertrauen in den Anbieter muss allerdings jeder selbst haben bzw. aufbauen. Auch die Anbieter müssen zukünftig noch mehr Transparenz schaffen und deutlicher darauf hinweisen, wo Daten gespeichert werden und was mit ihnen im Hintergrund passiert. Für beide Seiten also noch ein Stück Arbeit, was zukünftig immer wichtiger wird.

3 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – marcos, 9. März 2017, 13:08:

Sehr geehrte Frau Ogonowski,

Danke, dass Sie bei diesem tollen Projekt mitmachen.

Was ich mich frage: wenn die Technik im Haus alles für mich erledigt, wie soll ich dann lernen wann und ob ich doch mal ein Fenster öffnen soll?

Alles Gute,
marcos

1 Person findet das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 21. März 2017, 10:49:

Lieber Marcos, das ist eine sehr gute Frage. Technik soll uns nicht bestimmen, sie soll uns unterstützen und uns nicht verdummen lassen. Natürlich gibt es automatische Lüftungskonzepte, die abhängig von der Innen- und Außentemperatur, dem Sauerstoffgehalt und der Luftfeuchte, das Öffnen und Schließen von Fenstern steuern. Meist sind das allerdings Fenster die kaum oder nur schwer zugänglich sind, z.B. in Dächern von öffentlichen Gebäuden. Das richtige Lüften/Heizen ist bis heute eines der größten Probleme bei Immobilien und die häufigste Ursache für Schimmelbildung. Wir haben im Projekt ein Anti-Schimmel-Szenario konfiguriert, dass dem Bewohner informiert, wenn es mal wieder Zeit wird zu lüften. Diese Benachrichtigung kann mit weiteren Informationen erweitert werden, indem dem Nutzer erklärt wird, welches Raumklima gerade herrscht (Temperatur, Luftfeuchte, Sauerstoffgehalt) und ob dies ein gesunder oder eher ein kritischer Wert ist. So kann ein Smart Home helfen, das richtige Lüften nachhaltig zu lernen.

3 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – Sebi, 9. März 2017, 12:34:

Wie könmen wir Menschen dafür sensibilisieren, dass die Daten, die Smarthome Anwendungen sammeln, missbraucht werden (können) und ihre intimsten Details preis geben?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 21. März 2017, 10:51:

Die generationsübergreifende Sensibilisierung wird im digitalen Zeitalter immer wichtiger. Dabei ist es allerdings relevant, nicht nur Negativbeispiele zu zeigen, die Abschrecken sich überhaupt mit dem Thema Smart Home auseinanderzusetzen, sondern vielmehr zu zeigen, was man machen kann bzw. worauf man achten sollte, wenn ich smarte Komponenten zuhause nutze. Ohne Daten frei zu geben, können smarte Systeme und Anwendungen kaum Unterstützung bieten. Jede Person sollte für sich selbst entscheiden, welche Mehrwerte und welche Unterstützung sie von Smart Home erhalten möchte. Je weniger Informationen ich zur Verfügung stelle, desto weniger Nutzen kann ich allerdings erwarten. Gute Beispiele wie man zum Thema Datenmissbrauch im Smart Home umgehen sollte, fehlen allerdings noch. Dies sollte gegenwärtig als auch zukünftig näher beleuchtet werden.

2 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – Napoléon, 15. März 2017, 22:56:

Führt der Trend zu intelligenter Technik nicht möglicherweise zu weniger selbstständigkeit bzw. abhängigkeit von der Technik?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 21. März 2017, 10:53:

Das ist eine berechtigte Frage. Bislang ist es noch so, dass die Intelligenz, die die Systeme vermeintlich mit sich bringen, erst noch vom Nutzer selbst durch die entsprechende Konfiguration erstellt werden muss. Selbstlernende Systeme, die autonom handeln, sind in der Form noch nicht oder nur eingeschränkt am Markt vorhanden. Wir wählen also selbst den Grad der Abhängigkeit aus, in dem wir bestimmt Dinge automatisieren, wie zum Beispiel die Heizungssteuerung, das Licht oder Warnsysteme. Wir müssen uns auf das Funktionieren verlassen können. In dem Fall haben wir einen Mehrwert und wenn der Nutzen entsprechend hoch ist, dann ist die Abhängigkeit auch ein Stück weit positiv. Überdies hinaus sollte allerdings immer die Möglichkeit bestehen schnell und einfach Regeln zu deaktivieren oder Dinge manuell zu schalten, dass nicht die Technik uns steuert, sondern wir die Technik. Technische Neuerungen sind immer mit Skepsis verbunden. Der Einsatz von Schreibmaschinen oder Mobiltelefonen hat auch dazu geführt, dass Berufsbilder verschwunden sind. Gleichzeitig sind aber auch neue Möglichkeiten der Kommunikation entstanden und durch den Zeitgewinn konnte man sich auch anderen Dingen des Alltags widmen. So hat jede technische Neuerung seine Vor- und Nachteile, die es kritisch zu reflektieren gilt. Ich finde es gut, dass hier sehr viele kritisch reflektierte Fragen gestellt werden und man nicht immer alles hin nimmt, was im Markt als technische Neuerung aufpoppt.

2 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – Elena, 15. März 2017, 09:11:

Funktioniert Smart Home nur im Neubau oder auch im Altbau?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 22. März 2017, 13:25:

Je nach gewähltem Ansatz kann man sich Smart Home sowohl im Alt-, als auch im Neubau installieren. Eine kabelgebundene Lösung, die Unterputz verlegt wird, macht allerdings nur im Neubau Sinn. Funkbasierte Lösungen lassen sich überall installieren.

2 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – AB, 13. März 2017, 12:02:

Wann wird das "smart home" Alltag sein und was wird es alles können?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 22. März 2017, 13:24:

Die Frage des WANN ist schwer zu beantworten. Eigentlich ist es schon in einer Vielzahl von Haushalten vorhanden, aber es kann noch nicht so genutzt werden, wie man sich das gerne in seiner Wunschvorstellung ausmalt. Oft fehlt es noch an technischer Infrastruktur, die in einzelnen Geräten und Gegenständen versteckt integriert ist und die es ermöglicht alles miteinander zu vernetzen. Bisher funktionieren einzelne Lampen oder die Heizung oder die Kaffeemaschine schon für sich mit smarten Funktionen, zum Beispiel geht das Licht an, wenn ich einen Radius von 200m von meinem Zuhause betrete. Viel mehr Funktionalität, Interaktion, Automatisierung und auch Information sind aber noch möglich. Aktuell sind wir auf einem guten Weg, dass wir in den nächsten Jahren deutliche Veränderungen spüren werden, vorausgesetzt die Nutzer nehmen die technischen Neuerungen an und empfinden einen deutlichen Zugewinn durch die technische Unterstützung im Haushalt.

2 Leute finden das interessant Das interessiert mich auch! – irmgard, 9. März 2017, 23:12:

Was unterscheide mein jetziges "normales" zuhause von einem smarthome?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 22. März 2017, 13:24:

Dein jetziges Zuhause ist vielleicht schon ein bisschen digital, durch Smartphone, Tablet, Smart TV, Laptop, Waschmaschine, Kaffeemaschine etc., aber längst können noch nicht alle elektrischen Geräte miteinander kommunizieren und dir zusätzliche Dienste und Möglichkeiten bieten. Jedes Gerät macht das momentan meist nur für sich selbst. Ein Zuhause wird smart, wenn verschiedenste Geräte und Bedürfnisse, wie Heizung/Klima, Entertainment, Sicherheit, Licht oder Essenszubereitung zusammenwachsen und sich abgestimmt auf die Bewohner steuern lassen. Neue elektronische Geräte vor allem im Segment der Qualitätsmarken bringen diese Funktionalitäten oft schon mit, können aber noch nicht in der Vielfalt genutzt werden. Aber auch bestehende Geräte im Haushalt können zum Teil mit smarten Funktionen nachgerüstet werden, ohne dass man direkt eine neue Heizung anschaffen muss. Ein bisschen mehr technische Funktionalität in bestehenden oder neuen Geräten und Gegenständen, ist eigentlich der einzige Unterschied zum „normalen“ Zuhause, aber wer weiß, was die ferne Zukunft noch bringen wird!

1 Person findet das interessant Das interessiert mich auch! – Susi, 14. März 2017, 16:08:

Schafft ein Smart Home durch die Datensammlung und die komplexe Technik nicht mehr Probleme als es löst?

2 Leute finden das interessant Finde ich auch! – Corinna Ogonowski, 22. März 2017, 13:26:

Aktuell hat das tatsächlich noch den Anschein. Die Installation und Einrichtung solcher Systeme ist zeitraubend, nicht immer einfach und die Wunschkonfiguration funktioniert auch oft beim ersten Versuch nichts so, wie man sich es wünscht. Damit Smart Home wirklich massentauglich wird, braucht es neue Ansätze für die Inbetriebnahme und auch die Art der Datenaufbereitung. Wenn schon eine Vielzahl an Daten gesammelt wird, könnte man sie auch entsprechend aufbereiten und für die Nutzer zugänglich machen. Für beide Herausforderungen haben wir im Projekt SmartLive Ansätze und Konzepte entwickelt, die dies versuchen zu lösen und neue Denkrichtungen einschlagen. Zur Auswahl und Konfiguration des eigenen Smart Home Systems soll der „Shop & Play“ Ansatz eine neue Nutzererfahrung bieten. Über ein Online-Shopsystem klickt man sich je nach Zimmer und seinen Bedürfnissen, für sich relevante Szenarien zusammen und erhält dann ein bereits vorkonfiguriertes System nachhause geliefert, was sofort funktioniert. Später besteht natürlich noch die Möglichkeit das System um Komponenten und Konfigurationen zu erweitern.Für die Aufbereitung der Daten haben wir ein Visualisierungs-Tool entwickelt, dass die Smart Home Date in einem personalisierten Dashboard aufbereitet. Hierfür stehen bereits vordefinierte Visualisierung zu bestimmten Informationen (z. B. Wetter, Zustand im Zuhause, Energieverbrauch etc.) zur Verfügung. Zudem können aber auch eigenen Visualisierungen erstellt werden.
Weiter Informationen zu den beiden Ansätzen findet ihr unter „Success Stories“ hier: http://www.habitat-netzwerk.de