Über Smart Meter und die Digitalisierung der Energiewende #SmarteWelt

In der Reihe „Schöne smarte Welt – Junior Science Café Vol. 3“ tauchen wir ein in eine intelligente Welt der Zukunft und erkunden, wie smart unsere Umgebung heute schon ist.


Foto: efergyofficial, flickr.com, CC BY-NC 2.0

Wann ich morgens aufstehe, ob ich eine elektrische Zahnbürste benutze oder mir die Haare föhne, ob ich einen Fernseher habe und sogar was für einen Film ich gerade gucke, könnte  sich heutzutage für Hacker relativ leicht ermitteln lassen. Das ist möglich, weil es seit 2010 in Deutschland intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, auch für Privathaushalte gibt. Diese Geräte können im Zweisekundentakt die jeweiligen Verbrauchsmengen messen. Im Gegensatz dazu wird der alte Zähler zweimal im Jahr manuell abgelesen. Die Daten über den Verbrauch werden per Internet zum örtlichen Netzbetreiber geschickt und dazu könnten sich Hacker dann theoretisch Zugriff verschaffen.

Informationen für Einbrecher?

Aber wie lässt sich vom Stromverbrauch ableiten, ob ich gerade “Fack ju Göhte” oder “Star Wars” schaue? Die helleren Bereiche eines Films werden durch extra Beleuchtung verstärkt und durch den individuellen Hell-Dunkel-Anteil kann so vom Stromverbrauch auf den Film geschlossen werden, so die Theorie. Einer Gruppe Wissenschaftlern der FH Münster, unter der Leitung von Professor Dr. Ulrich Greveler (inzwischen an der Hochschule Rhein-Waal), ist dies bereits 2011 geglückt. Der Informatiker erklärt, dass es nur möglich sei den geschauten Film über die Verbrauchsangaben zu ermitteln, wenn die Daten im 2-Sekunden Takt übermittelt werden: "Zum Glück hat der Gesetzgeber aus den damals entstandenen Ergebnissen gelernt, sodass zukünftige Stromzähler den Verbrauch in größeren Abständen messen", so Greveler. Doch mein Fernsehverhalten ist nur eine Information, die das Smart Meter abrufbar macht. Mit der Zeit lässt sich ein individuelles Nutzerprofil erstellen mit meinen täglichen Gewohnheiten. So ist dann auch klar erkennbar, ob ich alleine oder überhaupt Zuhause bin, was für mögliche Einbrecher interessant ist.

So unscheinbar sieht der smarte Stromzähler aus.
So unscheinbar sieht der smarte Stromzähler aus. Foto:  Aaron, flickr.com, CC BY-ND 2.0

Heißt dass, dass ich mir als Verbraucher so ein Smart Meter lieber nicht kaufen sollte? Klar, das Ablesen entfällt für mich, aber gibt es noch weitere Vorteile? Durch flexible Stromtarife kann ich mit dem “intelligenten” Messgerät theoretisch Geld sparen, gibt Ulrich Greveler an: "Wenn man zum Beispiel nur dann Wäsche wäscht, wenn der Strom durch ein Überangebot besonders günstig oder sogar kostenlos ist". Allerdings seien die neuen Stromzähler teuer und dementsprechend tritt eine Ersparnis für den Nutzer erst nach einiger Zeit ein, wenn überhaupt. Da die Kunden ihren Verbrauch bestimmter Tage bis zu 24 Monate einsehen können, sollen diese Zahlen zum Sparen motivieren. Die Stromversorger erhoffen sich eine effizientere Nutzung des Stromangebots, so der Wissenschaftler, Angebot und Nachfrage seien ausgeglichen. Außerdem würden dadurch die Stromnetze stabilisiert und auch die Stromerzeugungskosten gesenkt. Allerdings sei fraglich, inwieweit diese Annahmen wirklich zu träfen.

Bisher nur für Großverbraucher

Im Rahmen des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende beschloss das Deutsche Bundeskabinett letztes Jahr, dass alle Großverbraucher ab 2017 mit einem Jahresverbrauch über 10.000 kWH mit Smart Metern ausgestattet werden. Für Privathaushalte sind die neuen Systeme erst einmal nicht relevant. Erst ab 2020 sind sie für Kunden mit einem Verbrauch ab 6.000 kWH pro Jahr verpflichtend. Zum Vergleich: Laut dem Stromspiegel für Deutschland verbraucht ein 3-Personen-Haushalt in einem Mehrfamilienhaus durchschnittlich 2600 kWh pro Jahr. Ich habe also noch ein bisschen Zeit mich zu entscheiden, ob ich meinen Strom lieber manuell oder digital ablesen lasse.

 

Prof. Dr. Ulrich Greveler hat in Gießen Mathematik und Computerwissenschaften studiert. Danach hat er unter anderem beim TÜV-IT in Essen und an Universitäten in Bochum und Münster als Wissenschaftler im Bereich IT-Sicherheit gearbeitet. Seit 2012 ist er an der Hochschule Rhein-Waal und interessiert sich insbesondere für IT-Sicherheit, Technologien zur Verbesserung des Datenschutzes und für das Konfliktpotential zwischen Privatsphäre und digitaler Vernetzung. In seinem Blog “Datentyp - Informatik, Daten und Privatsphäre” schreibt er über sein Forschungsfeld.

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