Straßenlaternen der Zukunft: Beleuchtung nach Bedarf #SmarteWelt

Das diesjährige Reihenthema für die Junior Science Cafés ist “Vol. 3: Smarte Welt”. Wie spannend und vielfältig dieses Thema ist, haben die Schülerinnen und Schüler mit ihren bisherigen Cafés eindrucksvoll bewiesen. Wir möchten gerne auf einige Aspekte näher eingehen und starten deshalb unsere neue Blogreihe „Schöne smarte Welt?!“. Die Beiträge sollen informieren und vielleicht sogar zu neuen Café-Themen inspirieren.

Foto: Pixabay Straßenlaterne, CC0
 

Es ist schon spät, als ich mit dem Rad nach Hause fahre. Viel Verkehr ist nicht mehr auf den Straßen, es ist bereits dunkel. Sobald ich mich einer Straßenlaterne nähere, wird diese automatisch heller und auch die nächste Laterne in meiner Fahrtrichtung leuchtet auf, bevor ich sie erreiche. Kaum bin ich vorbei, wird es hinter mir schon wieder dunkel. Bedarfsgerechte LED-Straßenbeleuchtung nennt man das. Drahtlos vernetzt und gesteuert über einen Bewegungsmelder, liefern die Laternen nur dort Licht, wo es benötigt wird. Ist das nur Wunschdenken? Nein, ganz und gar nicht. In Deutschland beispielsweise, wurde die neue Technik bereits vor einigen Jahren installiert.

Neue Beleuchtung spart Energie und hilft Insekten

Bereits 2010 wurde bundesweit die erste Straße, in Hannover Langenhagen, mit dieser intelligenten Beleuchtung nach Bedarf ausgestattet. Heute findet man das System in vielen Städten auf der ganzen Welt. Über 30 % Energie soll die Straßenbeleuchtung mit Bewegungssensor gegenüber der ohne Sensor einsparen, wie in einer Infobroschüre einer schweizer Energieexpertengruppe anschaulich dargestellt wird. Die scheinbar von Geisterhand gesteuerten Lampen verringern außerdem die Lichtverschmutzung. Damit ist die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen gemeint. Bereits jetzt kann ein Drittel der Europäer aufgrund der vielen Lichter die Milchstraße nicht mehr erkennen, wie eine Expertengruppe um den Wissenschaftler Fabio Falchi kürzlich in einer Studie beschrieben hat. In Nordamerika seien es sogar 80 %. Auch für Insekten ist die neue Technik von Vorteil. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) weist auf seiner Homepage darauf hin, dass LED-Lampen allgemein sehr insektenfreundlich sind. Deren Licht-Frequenzbereich lockt Insekten weniger stark an als herkömmliche Lampen, welche sonst oft zur tödlichen Falle werden. 

Doch es gibt auch Nachteile

Beleuchtung nur dort einzusetzen, wo sie tatsachlich gebraucht wird, klingt nach einem zukunftsträchtigen Konzept. Amerikanische Mediziner befürchten allerdings, dass der steigende Einsatz von LED-Technik dazu führt, dass unsere „innere Uhr“ zunehmend durcheinander gebracht wird. LED-Beleuchtung hat einen hohen Anteil an blauem Licht, welcher die Bildung von Melatonin, des sogenannten „Schlafhormons“ unterdrückt. Tatsächlich gibt es aber noch keine Studien die untersucht haben, inwieweit in unsere Wohnräume strahlende LED-Straßenlaternen dafür wirklich von Bedeutung sind. Ein konkreter Nachteil der vernetzten Straßenbeleuchtung ist sicherlich, dass kein Bewegungsmelder zwischen Mensch und Tier unterscheiden kann. Ein ständiges „An und Aus“ durch herumstreunende Katzen kann für Anwohner schnell nervig werden. 

Was kommt als Nächstes?

Der nächste Ausführung der „intelligenten“ Beleuchtung steht schon in den Startlöchern. Die Unternehmen „Infineon“ und „eluminocity“ haben sich zusammen getan und eine multifunktionale Straßenlaterne entwickelt. Sie steuert nicht nur ihre Lichtstärke per Bewegungsmelder sondern bietet  auch eine Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge. Bezahlt wird mit Hilfe einer Smartphone-App. Auch soll die neue Laterne bei der Parkplatzsuche helfen, indem sie freie Parkplätze in ihrer Umgebung erkennt und diese an Autofahrer meldet. Der Energiekonzern EnBW setzt noch eins drauf und stellte bereits Ende 2015 ein Konzept eines modernen Laternenmasts, "SM!GHT", vor. Neben der Beleuchtung dient er als Notrufsäule und als Zapfsäule für Elektrofahrzeuge, ist mit WLAN-Routern ausgestattet sowie mit Sensoren zur Messung von Umweltdaten und Verkehrsaufkommen. Wir dürfen also gespannt bleiben, was noch an Neuerungen auf uns zukommt.
 

Mehr aus der Reihe #SmarteWelt gibt's hier.


3. Juli 2017, 15:56      Sunna Ellendt      Energieeffizienz Smart City Smarte Beleuchtung      #SmarteWelt

Kommentare